Das „Wolfsgesetz“ ist ein Kommunikationsproblem

Viele der jetzt immer wieder mal als neue Business-Denkungsart auftretenden Gedanken sind nicht neu, sondern beschreiben die zivilisatorische Funktion des Kapitals, wenn es nicht getrieben, sondern treibend ist. Es geht darum, die Perversion der bürgerlichen Denkungsart zu beseitigen, nicht die bürgerliche Denkungsart selbst.

Diese Perversion entsteht durch das an die Stelle des Ware-Geld-Ware Verhältnisses getretene Geld-Ware-Geld Verhältnis, durch die Lokalisierung der Interessen, sei es in Ländergrenzen oder Provinzen und durch die Negation der Tatsache, dass wir alle Akteure im selben Unternehmen sind, also bestenfalls zeitweise Vorteile herausschlagen können.

Nicht das Streben nach Profitmaximierung wird so das Problem, sondern das sich gegenseitig rücksichtslose Abjagen von Extraprofit, der in Wirklichkeit den anderen Marktteilnehmer*innen weggenommen wird in einem Nullsummenspiel, das der Gesamtheit nichts bringt sondern bestenfalls nichts kostet.

In diese Denkungsart fällt auch die Verwechslung von Konkurrenz – eigentlich das gemeinsame Auftreten auf dem Markt – mit dem von Plautus, einem römischen Komödiendichter (!), beklagten Wolfsgesetz: »Der Mensch ist des Menschen Wolf“. 

lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit non novit.

»Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen, kein Mensch, solange er nicht weiß, welcher Art der andere ist.« (Plautus)

Dieser Gedanke wird oft Hobbes zugeschrieben. Doch er wird von diesem komplexer betrachtet, indem er schreibt, es seien 

»… beide Sätze wahr: Der Mensch ist ein Gott für den Menschen, und: Der Mensch ist ein Wolf für den Menschen; jener, wenn man die Bürger untereinander, dieser, wenn man die Staaten untereinander vergleicht.“ (Hobbes) 

Doch selbst Wölfe können nicht in angeblich unversöhnlicher Feindschaft allein existieren.

Was geschieht hier? Wer hat ein so großes Interesse, der Philosophie etwas zu unterstellen, was in ihr nicht geschieht, wer hat ein Interesse, Philosophen Sätze in den Mund zu legen, die sie nicht gesagt haben, wer ist daran so brennend interessiert, statt wissenschaftlicher Diskussion nur unsinniges Geschwätz zu kolportieren, Stories, welche die Natur selbst der Wölfe negieren? 

Komplexes Denken in Systemen heißt, das (Wolfs-) Pack als System zu begreifen, welches das Umfeld des Packs integriert. Wichtig ist, einander zuzuhören, sich kennenzulernen, um keine Angst mehr voreinander haben zu müssen sondern einander zu helfen.

Das ist das Mindset, das unseren Oikos, den Haushalt, als global betrachtet. Ein Gedanke, der von Hugo Grotius in seinem Werk „Mare Libero“ entwickelt und der zur Basis des Völkerrechts wurde.

Hugo Grotius: Mare Libero
Hugo Grotius: Die Freiheit der Meere