Essays

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Die Maske, oder: Wie ich keine Geschichte schrieb

Das Begehren war sofort da. Story, Plot, alles verlangte danach, geschrieben zu werden. Einfach da. Die Ideen auch. Die Ängste auch.

Es war mir sofort klar, dass die Geschichte keines meiner Probleme lösen würde. Es war nicht genügend Profit vom Verkauf zu erwarten, es wäre meine erste Geschichte und erste Geschichten bringen nie etwas ein, besonders, wenn sie gelungen sind. Weder die Machart noch das Thema würden zu meinen Lebzeiten irgend jemanden interessieren. Selbst von meinen Freunden war nicht die geringste Empathie zu erwarten, denn sie würden sich in der Geschichte weder erkennen noch angenehm spiegeln können. Der Text war so fern von allen ihren Kontexten angesiedelt, dass die Wahl des Sujets allein schon eine Vernachlässigung und damit eine Beleidigung darstellen würde. Schon das geringste Interesse hätte eine so große Anstrengung vorausgesetzt, dass es einfach zu viel verlangt wäre, diese Anstrengung von ihnen zu erwarten.

Fenster mit Schmetterling

Sichtbarkeit und Sichtbarmachung

Es ist ein Missverhältnis zu beobachten zwischen dem, was wir zu wissen glauben und dem was ist. Das ist allgemein bekannt und führt zu dem Drang, der Wissenschaft genannt wird. Kommunikationswissenschaftler*innen in der angewandten Psychologie, der Organisationsentwicklung und in der Pädagogik benutzen als Bild gerne seit Freud das des Eisbergs, […]

Von Spandrels zur Serendipity

Bei Precht schrecke ich oft vor seinen Verallgemeinerungen zurück (auch weil ich diese als Fehler oft bei mir sehe). Sätze, die mit „Wir (alle) sind …“ beginnen, sind mir daher, wenn ich wissenschaftlich arbeite, suspekt, denn ich sehe hier das heimliche Einführen von Prämissen. Was das „unordentliche Gefühl“, die Liebe […]

Kleingartenanlage "Paradies" an der Schlichtallee Berlin

Ist lernförderliche Lebensgestaltung nötig?

»Lernförderliche Lebensgestaltung« erzeugt Sinn (das Bild, konstituierende Lernbedingungen), die Instititutionalisierung, Formalisierung, ermöglicht die Verwertung (den Rahmen, modifizierende Lernbedingungen). Für das Erstere sind wir daher selbst verantwortlich oder können selbst verantwortlich gemacht werden, für das Letztere ist Wachsamkeit notwendig, so lange nicht wir selbst für uns verwerten, sondern für jemand Anderen. Ich sehe das Thema […]

Ereignisse und Geschichte

Jedes Ereignis wird Geschichte dadurch, dass es berichtet wird. Als Bericht kann es geglaubt oder bezweifelt werden. In jedem Fall wird es Bestandteil der eigenen Geschichte des Zuhörers. Da jede Geschichte eine Erzählung und auch der Bericht eine Erzählung ist, kann nach kurzer Zeit kein Unterschied mehr gefunden werden zwischen […]

Formelles Lernen ist ein Sonderfall

Zunächst: Worüber reden wir da eigentlich? Die »Entdeckung« des unordentlich »informellen« Lernens durch Dewey 1899 ist natürlich eine romantische Antwort auf die Gewalt und Dominanzansprüche des formellen Lernens. Formelles Lernen wird wohl überwiegend als staatlich anerkanntes Lernen (Vorschule, Schule, Berufsausbildung, akademische Ausbildung, berufliche und außerberufliche Weiterbildung, Volkshochschule) gesehen. Informelles und […]

Ideo-Logien sind Erzählformen von Einfachheit

Wer sich politisch engagieren will, braucht Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Wie gewinnt man diese? Mit einfachen Wahrheiten, welche sich auf Ja oder Nein reduzieren lassen. Die jüngsten Erfolge vereinfachender Populisten, wie der von Donald Trump, einigen Mitgliedern der AfD, religiöser Hetzer u.s.w. belegen das populäre Bedürfnis nach einfachen Wahrheiten. Zwar ist […]