Ghom. Eine philosophische Reportage, oder "weder Corbin noch Focault"

Ghom. Eine philosophische Reportage, oder "weder Corbin noch Focault"

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Philosophie Magazin Nr. 6 / 2014 | Denken lernen

Das Philosophie-Magazin Nr. 06/2014 enthält einen Artikel, den ich hier hervorheben möchte. Es geht um eine Reportage über eine Reise zu Irans Ajatollahs mit dem Titel: „Der Untergang des Reichs von Ghom“. Reportage? In einem Philosophie-Magazin? Über den Islam? Ja, das geht und unter wenigen anderen macht dieser Artikel den Wert dieses Heftes für mich aus.

Wenn die Texte des Philosophie-Magazins oft sehr bemüht einen philosophischen Anstrich bekommen, indem manieriert Namen und Zitate „großer“ Philosophen vorangestellt oder eingestreut werden, dann nervt das nur. Wenn unkritisch von „großen“ Philosophen geredet wird, dann ist das Personenkult. Philosophie ist Arbeit über die Denkbarkeit der Welt, die Einzelpersonen, welche dazu beigetragen haben, dienen mir als Wegmarken oder Meilensteine, nicht aber als Autoritäten.

In diesem Artikel von Michel Eltchainoff nun verbinden sich die Information über ein Geheimnis – das Innenleben der islamischen Geisteswelt – mit dem klassischen Bericht, der die Leserinnen und Leser mit den Großajatollahs zusammensitzen lässt, mit etwas Seltenem, einem zarten λογοσ (logos), der Darstellung des Versuches, unparteiisch und unvoreingenommen ein Verständnis für die Denkweise der jeweiligen religiösen Denker zu entwickeln.
Das Logische daran entsteht durch die Wertfreiheit des Autors, seine Berichtsform, welche historisches Wissen mit seinen Erlebnissen verknüpft und uns dabei erlaubt, eigene Schlüsse zu ziehen.
Das Ergebnis ist nicht: Ihr müsst mir glauben, ich habe es erlebt!
Das Ergebnis ist: Hier sind die Aussagen dieser konkreten Denker in dieser konkreten Atmosphäre und Umgebung in den Rahmen dieser historischen Entwicklung gestellt.
Leser, Leserin, urteile selbst!
Genau das macht den Unterschied zwischen Propaganda und Wissenschaft aus.
Lesenswert!