Dissertation

Die Dialektik von Arbeitsbedingungen und Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit – Untersuchungen zur philosophischen Bedeutung einer arbeitswissenschaftlichen Kategorie. Dezember 1986. (Dissertation A).

Eine typische Dissertation eines wissenschaftlichen Assistenten aus der DDR der 80-ger Jahre, mit Textexegese, SED-parteilicher Stellungnahme und einem interessanten Ansatz.

Die Bedeutung der Dissertation lässt sich nur unter den besonderen Umständen der wissenschaftlichen Arbeit in der DDR verstehen, bei denen subtile Aussagen weitreichende Wirkungen und Aufmerksamkeit bekommen konnten.

Die Dissertation legt dar, dass durch modifizierende Arbeitsbedingungen (ideologische Kampagnen und politische Stimulierung) allein keine wirkliche Steigerung der Produktivkraft der Arbeit erreicht werden kann, wenn nicht auch gleichzeitig die konstituierenden Arbeitsbedingungen (technische, Lohn, hygienische, Materialbereitstellung, Luft, Licht, Temperaturen, Sauberkeit und Sicherheit u.s.w.) verbessert werden und vice versa. Die dialektische Spannung zwischen diesen beiden Seiten von Arbeitsbedingungen hat eine eigene Dynamik, bei der die Überreizung der einen wie der anderen Seite zu überraschenden Resultaten führen kann.

So können hervorragende konstituierende Arbeitsbedingungen demotivierend wirken und bestimmte modifizierende Arbeitsbedingungen Mängel in den konstituierenden Arbeitsbedingungen ausgleichen. Aber nicht immer (vgl. Ottos Spott zu humanisierten Arbeitsbedingungen: Bunte Schraubenzieher). Es hängt vom Maß in der jeweils besonderen Situation beider Seiten ab, welche Veränderungen auch zu einer Entwicklung von Produktivkraft von Arbeit führen.

Der Autor wurde während seiner Arbeit daran gehindert, konkrete Forschungen in der damaligen Mathias-Thesen-Werft in Wismar durchzuführen. Er bekam Hausverbot. Deswegen gab er der Arbeit eine theoretische Form.

Original Inhaltsangabe:

Ausgehend von der Unterscheidung der Arbeitsbedingungen in konstituierende und modifizierende wird aus der komplexen und arbeitsprozeßbezogenen Darstellung ihrer Entwicklung im Sozialismus abgeleitet, daß Kompensation und Modifikation Ihrer Wirkungen auf die arbeitenden Menschen sowie die Verbesserung und Korrektur vorhandener Arbeitsbedingungen Formen der bewußten Gestaltung der Arbeitsbedingungen sind, die nur begrenzte Wirkung auf die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit haben.

Das Intervall, in dem entsprechend dem Charakter der Produktionsverhältnisse und dem Entwicklungsstand der Produktivkräfte die Wirkungen der Arbeitsbedingungen modifiziert worden können, ist durch die konstituierenden Arbeitsbedingungen bestimmt, denen sich auch die Möglichkeiten der Humanitätsentfaltung und der Selbstverwirklichung im Produktionsprozeß unterordnen.

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