Das Zeitalter der Aisthesis

Das Zeitalter der Aisthesis

Hans, der Theoretiker, nimmt sich einen Brownie, den er eben zum Geburtstag von Aspasia gebacken hat und spricht: „Nach einem Stück von Kleist (Cäcilia/ Bildersturm III) habe ich verstärkt den Eindruck, dass wir uns im Beginn des ästhetischen Zeitalters befinden, das Zeitalter der Vernunft ist noch lange nicht angebrochen. Viele glauben ja, dass der Totalitarismus das Zeitalter der Vernunft gewesen sei, und die Aisthesis die Antwort auf das Versagen eben dieser Vernunft. Aber diese verwechseln Vernunft mit den großen Weltreligionen, welche durch Platon/Aristoteles und Konfuzius, basierend auf der Pervertierung der vorsokratischen Weisen, gegründet wurden. Faschismus (Glaube an Macht), Kommunismus (Glaube an Hoffnung) und Kapitalismus (Glaube ans Geld) sind so verstehbar als nur die letzten Konsequenzen eines religiösen Zeitalters.
Das ästhetische Zeitalter ist das der Wahrnehmung, also mehr als der Glaube, die Annahme. Wenn wir Glück haben, lernen wir zu sehen. Und ein Weltbild ist ein guter Anfang, wenn es nicht dogmatisch, sondern ästhetisch gedacht wird. Die Bilderstürmerei der reformierten Religionen vom Pietismus, den Moslems bis zum Proletkult sind aus dieser Sicht re-aktionäre Versuche, das aisthetische Zeitalter hinauszuzögern.
Die Revolution erzeugt immer neue Bilder. Daher das Phänomen der ‚Bilderflut‘, der ‚Demokratisierung der Bilder‘, die nur von Reaktionären beklagt werden kann.“
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